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Wie ein Wohlfühl-Programm in den Focus kommt

Damit ein neues Modell die Herzen erobert, braucht es mehr als ein paar PS und ein gutes Fahrwerk. Wichtig ist ein harmonischer Innenraum - Serife Ünal und Barbara Scheffler gestalteten ihn für den Ford Focus.

Heute ist Focus-Tag. "Und es ist schon klasse, dass irgendwann tausende von Autos mit den Sitzbezügen unterwegs sind, die wir entworfen haben." Den "C 307"- wie die Ford-Serie intern genannt werden - haben Barbara Scheffler und Serife Ünal jedoch längst abgeschrieben. Schon vor einem Jahr waren alle Sitzbezüge ausgesucht, die Farbkombinationen für Himmel und Boden standen, das Armaturenbrett fühlte sich geschmeidig an, die Aluminium-Einlagen am Lenkrad blitzten und die Schaltknöpfe hatten die richtige Form - der neue Focus konnte gebaut werden. "Ein super-gutes Gefühl", strahlt die 32-jährige Serife. Sie ist eine von acht internationalen Designern, die unter der Leitung der in Kerpen am Niederrhein geborenen Managerin Barbara Scheffler im Werk am Rhein und in Essex an der Themse bestimmen, wie das Innenleben aller Ford-Autos aussieht. Die junge Türkin, die als Vierjährige aus der Türkei nach Deutschland kam, ist in der Design-Abteilung in Köln-Merkenich für Farben und Materialien zuständig. Im Jahr 2000, nach dem Textil-Design-Studium in London und Hannover, wo sie auch Stricken und Sticken gelernt hat, startete sie ihre Auto-Karriere. Ihr jüngstes Baby sei schon eine besondere Herausforderung, meint Serife Ünal. Denn schließlich soll der neue Focus den seit 1998 weltweit mehr als vier Millionen Mal verkauften Vorgänger-Bestseller ablösen. Und da zählen nicht nur - wie Firmensprecher Bernd Meyer betont - äußere Formgebung, Zylinderköpfe und PS, Fahrgeräusche und flotte Fahrweise, sondern gefragt sind immer öfter gesundes Innenklima und Harmonie, ein Wohlfühl-Programm für alle Sinne. Wenn die temperamentvolle Südländerin, die gern in knalligem Grün oder Orange und in geheimnisvollem Violett schwelgt, freie Wahl hätte, gäbe es natürlich neben den eher konservativen Beige-Braun-Blau-Tönen auch rote Teppiche und pinke Polster. Doch allzu auffällige Farben kommt höchstens bei Showcars in Frage. Was bei Möbeln und erst recht bei Turnschuhen oder Pullover machbar ist, geht noch lange nicht im Auto: „Bei jedem Autokauf sind nicht wie in der Mode schnelllebige Trends gefragt, sondern auch die Wiederverkaufbarkeit ist wichtig. Wir müssen den Geschmack von Millionen Menschen treffen“, sagt Serife Ünal. „Uns Designern muss der Spagat gelingen zwischen dem, was im Trend liegt und dem, was in fünf Jahren noch gefragt ist.“ Die Farbe darf also das Auge nicht überfordern, man darf sich nicht dran satt sehen, sie muss lange modern bleiben. Gibt es denn überhaupt kreative Spielräume? „Na klar, die Farbwelt hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Statt Ton in Ton arbeiten wir heute viel mehr mit Kontrasten“, erklärt Diplom-Designerin Barbara Scheffler. Für die Ford Focus-Linien „Sport“ und „Titanium“ hat die 39-jährige Mutter von drei kleinen Kindern, die als Kostüm- und Bühnenbildnerin am Theater in London angefangen hat, kräftige Blauschattierungen gewählt. Warm und luftig sollen sie anmuten. Sportlicher sollen die neuen Modelle wirken, mehr Qualität bieten, Kunden ansprechen, die bislang einen Bogen um den Focus gemacht haben. „Als ich anfing, glänzten die Armaturenbretter, heute sind sie zwar immer noch aus Kunststoff, sehen aber nicht mehr danach aus. Holz als Kontrast zum Hightech-Design ist ein echter Trend. Die Formen sind fließender, die Oberflächen fühlen sich gut an.“ Barbara Scheffler kommt es auf Feinschliff, nicht auf Revolutionär-Neues an. Einen Riesensprung hat vor allem die Entwicklung der Stoffe gemacht, sie sind weicher und hochwertiger geworden, heißt es. Vieles was zum Beispiel in Turnschuhen an High-Tech-Material steckt, wird für Sitze und Verkleidungen verwendet. Wie beim Vorgänger werden auch im neuen Focus Materialien eingesetzt, die das Allergie-Risiko auf ein Minimum reduzieren. Während innen also für Abwechslung gesorgt wird, hält sich außen Silbergrau hartnäckig als meistverkaufte Autofarbe. Sie signalisiert Technik, Luxus, Schmuck und ist unempfindlich gegen Schmutz. Vielleicht - so die Designerinnen - wird ja die neue goldig-silbrige Mischung ein Hit.

16.11.2004 / rpo

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